jürgen grözinger


photo: Rolf W. Stoll

Jürgen Grözinger, Schlagzeuger, DJ, Komponist und Kurator, bewegt sich zwischen zeitgenössischer Musik, Klassik und Club-Kultur. Seine Projekte sind vielseitig und vielschichtig – zwischen intellektueller Reflektion und subtiler Sinnlichkeit. Sein Publikum möchte er einladen auf schillernde Reisen von Klang, Rhythmus, unterschiedlichsten Musiken und Stimmungen.

Er steht für solch unterschiedliche Formate wie das Festival KlangHaus (vormals „neue musik im stadthaus ulm“, das Titel wie „BEAUTYbroken““EROS“ oder MONTE VERITÀ trägt), Lounge- und Salon- Formate, in denen er DJ-Ästhetik mit Konzertkultur verbindet. Zu erwähnen sind hier Projekte wie der „WDR3-KLASSIK-KLUB“, die Berliner „YELLOW LOUNGE“, „die Rundfunkchorlounge Berlin“, sein“Salon der Verzückung“ oder Projekte für die Dresdner Musikfestspiele (2018)

Als Komponist schreibt er meist für sein eigenes Ensemble, aber auch für Film, Tanz und Theater, so zuletzt die Ballettmusik“ACQUA“ und die großbesetzten Werke“NACHT UND MORGEN“ (für 2 Chöre, Orchester, Orgel und Percussion) und „HÖHER!“ (für Chöre, Orchester, Percussionensemble und Kirchenglocken)

Als klassischer Schlagzeuger spielt er in Orchester-und Ensembleformationen. Seine Soloprogramme bewegen sich von kraftvollem Groove bis zu meditativem Spiel mit Gongs und anderen Percussion-Instrumenten.

Neben der Musik widmet er sich der Fotografie.

Immer spiegelt seine Arbeiten seine ständige Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen sowie politischen Fragestellungen und Wertesystemen seiner Umgebung. Das Fundament und die Wurzeln seiner Arbeit sieht er in der europäischen Kultur und ihrer Einbettung in eine globale Welt.

Seine eigene Formation ist das Ensemble „European Music Project, ein international besetztes Instrumental-Ensemble, das auf höchstem Niveau im Gebiet der zeitgenössischen Musik, Improvisation und Formen der Pop-Musik in einer Kernbesetzung und mit Gast-Künstlern arbeitet.

Grözinger setzt auf die Unmittelbarkeit musikalischer Erfahrung, auf Transfers, die sich aus dem programmatischen Zusammenhang erschließen. Er spannt Bögen zwischen verschiedenen Gattungen, Zeiten, ästhetischen Ideen, Philosophien. Er ist Spezialist der extravaganten Mixturen. Grözinger will junges Publikum mit einbeziehen und die Steifheit und Distanziertheit des Konzertbetriebs überwinden (R.Schlenz, Deutschlandfunk)

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Jürgen Grözinger im Einsteinsaal des Stadthaus Ulm / Photo: Christian Oita

Jürgen Grözinger wurde in Ulm geboren. Nach zwei Bundespreisen im Wettbewerb „Jugend Musiziert“ wurde er noch während seiner Schulzeit Jungstudent an der Musikhochschule in München, wo er nach dem Abitur ein klassisches Musikstudium mit Hauptfach Schlagzeug begann. Dieses führte er an der Stuttgarter Musikhochschule fort. An der Hochschule für Musik und Theater Hamburg absolvierte er ein Aufbaustudium im Fach Kulturmanagement.

Es folgten vielfache Tätigkeiten in Orchestern wie dem Orchestra Internazionale d´Italia, der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, der Kammerakademie Potsdam, dem Deutschen Kammerorchester Berlin. Als Aushilfe spielte er beispielweise in den Staatsopernorchestern München, Stuttgart und Hannover. Im Bereich der zeitgenössischen Musik spielte er im Klangforum Wien, den Berliner Formationen Ensemble Mosaik, Ensemble United, Berlin Piano Percussion und vielen anderen. Er spielte mit Solisten wie Antonis Anissegos, Anna Clementi, Sergio Azzolini, Rohan de Saram, Hellmut Hattler , Michiko Hirajama, Nicholas Isherwood, Kenichi And The Sun, Joo Kraus, Paula Morelenbaum, Mike Svoboda, Marianne Schröder, Stefano Scodanibbio und vielen anderen.

Gastspiele führten ihn so zu vielen nationalen und internationen Festivals (Berliner Festspiele, MaerzMusik, Berlin; Steirischer Herbst, Graz; Wien Modern; Nuovi Spazi, Rom; Warschauer Herbst; Ultima, Oslo; Klangspuren, Schwaz; Ravenna Festival; Movement, Saarbrücken; Spaziomusica, Cagliari; New Music Meeting, Brno u.v.a.).

Schon früh beschritt er eigene, neue Wege der Konzert-Gestaltung und der Präsentation von Musik. Dahinter stand der Wunsch, Grenzen zwischen Gattungen der Kunst und der Musik selbst zu öffnen und gegebenenfalls zu überwinden. Verpflichtet fühlte er sich dabei seinem hohen Anspruch an Qualität und dem Wunsch, auch ungewöhnliche zeitgenössische Musik ein jedes mal neu zum Erlebnis werden zu lassen und so unterschiedlichste Menschen zu erreichen.
Ähnlich versteht er auch seine Arbeit als DJ, wo er aufregende Verbindungen aus dem Repertoire der klassischen Musik, Jazz und aktuellen Stilen elektronischer Clubmusik kreiert.

Als „Klassik-DJ“ spielte er in weltbekannten Berliner Clubs wie „Berghain“, „Watergate“ oder “Cookies; er mixte für die „Yellow Lounge“ (Deutsche Grammophon / Universal Music) und für die Klassik-Lounge des Rbb.

Klassik-Lounges entwickelte er auch für den Rundfunkchor Berlin, für die Dresdner Musikfestspiele, die Komische Oper Berlin, für das Mozartfest Augsburg, die Schlössernacht in Potsdam, das Festival Musica in Bayreuth, die ProMusica-Konzerte in Hannover , die Württembergische Philharmonie Reutlingen und die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein. Einen festen Platz haben seine Sets seit 2016 im „WDR3-Klassik-Klub“. Für 2019 ist eine Zusammenarbeit mit der Dresdner Philharmonie geplant.

Das von ihm gegründete Festival KLANGHAUS („neue musik im stadthaus ulm“) zeichnet sich durch konsequente ideelle Arbeit und höchstem internationalen Standard aus. Regelmäßig (ver)führt es ein breites Publikum zu lange nachwirkenden Begegnungen mit zeitgenössischer Musik.
Komponisten wie Klaus Huber, David Lang, Michael Nyman, Samir Odeh Tamimi, Sandeep Bhagwati, Dieter Schnebel oder Adriana Hölzsky schrieben Werke für das Festival oder erarbeiteten in engem Austausch mit Grözinger spezielle Ereignisse. Seine Festivalkonzeptionen tragen Titel wie „The American Way“, „EROS“, “BEAUTYbroken“, „Stimmung“.

Oft arbeitet er gemeinsam mit Künstlern aus dem visuellen Bereich oder anderen Gattungen. So entstehen Konzertformate, die sich, weit weg vom klassischen Podiumskonzert, hin zu Formen des Musiktheaters und der Konzert-Installation bewegen.

In jüngster Zeit widmet sich Grözinger vermehrt der Komposition und gleichzeitig offenen Formen der Improvisation, vermehrt auch im Kontext von Formen der Meditation.

Im Juli 2017 wurde sein Werk „Nacht und Morgen“, für 2 Chöre, Orchester, Schlagzeug und Orgel im Ulmer Münster mit großem Erfolg uraufgeführt.
Im September 2017 folgte eine kompositorische Arbeit für das Stadtheater Theater Pforzheim an die sich im November 2017 ein Werk für das Ballett des Ulmer Theaters  –  ACQUA  (Choreographie Roberto Scafati) anschloß. Das Stück und insbesondere die Musik wurde vom Publikum frenetisch bejubelt

Seine Berliner Projekte “Alchemistic Cabaret“ (mit Hillary Jeffery) Salon der Verzückung” (mit Thomas Raditschnik) und “Resonance Room” (mit „Neue Heimat“, Berlin) bewegen sich zwischen Salon und meditativem Klangraum.
Jürgen Grözinger lebt seit dem Jahr 2000 in Berlin.